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Medizin · News

25.10.2007
Erfolgreiche postexpositionelle Prophylaxe mit Hepatitis A-Impfstoff

Seattle – Eine Hepatitis-A-Impfung ist in vielen Fällen auch nach einer Infektion noch in der Lage, eine symptomatische Erkrankung zu verhindern. In einer randomisierten kontrollierten Studie im New England Journal of Medicine (2007; 357: 1685-1694) war die Schutzwirkung nicht signifikant schlechter als nach der Gabe eines Immunglobulin-Präparates, das bisher Mittel der Wahl war. Die US-Behörden haben die Empfehlungen aufgrund der Studie revidiert, wie in Morbidity and Mortality Weekly Report MMWR (2007; 56; 1080-1084) nachzulesen ist.

Für die Wirksamkeit einer postexpositionellen Prophylaxe durch einen Hepatitis-A-Impfstoff sprechen folgende Plausibilitätsüberlegungen: Die Inkubationszeit der Hepatitis A beträgt 15 bis 30 Tage, im Allgemeinen aber 25 bis 30 Tage. Bereits 12 bis 15 Tage nach der ersten Impfdosis sind jedoch bei mindestens 95 Prozent der Geimpften Antikörper gegen das Hepatitis A-Virus nachweisbar. Die schnelle Immunantwort kann die Patienten also noch vor Ausbruch der Hepatitis schützen, wenn auch ein nur ein kurzes Zeitfenster bleibt. Bislang war diese Vermutung jedoch nicht durch randomisierte kontrollierte Studie belegt, weshalb allgemein zur Gabe von Immunglobulinen geraten wurde – eventuell in Kombination mit einer Impfung, die anders als die Immunglobuline, einen langfristigen Schutz verspricht.

Um Klarheit zu gewinnen, ließen die US-Centers of Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta eine Studie in Kasachstan durchführen. Dort gibt es, anders als in den USA, wo die Hepatitis-A-Impfung allen Kleinkindern empfohlen wird, viele Menschen ohne ausreichenden Impfschutz, obwohl die Hepatitis A in Kasachstan weiter verbreitet ist als in den USA. In Almaty (vormals Alma-Ata) ließ die CDC alle Patienten, die wegen eines Verdachts der Hepatitis A behandelt wurden, serologisch testen.

Wurde die Hepatitis A bestätigt, ließ John Victor vom „Program for Appropriate Technology in Health“, einer gemeinnützigen Organisation aus Seattle, die Personen ausfindig machen, zu denen die Patienten Kontakt hatten. Diese Kontaktpersonen wurden gebeten, an einer Studie teilzunehmen, sofern sie noch keine Immunität aufgrund einer früheren Erkrankung hatten. Es fanden sich 1.090 Kontaktpersonen im Alter von 2 bis 40 Jahren.

Sie wurden randomisiert und erhielten entweder eine Behandlung mit Immunglobulinen oder eine Hepatitis-A-Impfung. Wichtigste Bedingung: Die postexpositionelle Prophylaxe musste innerhalb von 14 Tagen nach der Exposition mit dem Virus erfolgen. In den meisten Fällen gelang dies erst in der zweiten Woche (Durchschnitt 10 Tage). Endpunkt der Studie war eine nachgewiesene symptomatische Hepatitis A.

Wie Victor und Mitarbeiter jetzt mitteilen, lag die Rate der Hepatitis-A-Erkrankungen mit 4,4 Prozent nach der Impfung zwar etwas höher als nach der Gabe von Immunglobulinen (3,3 Prozent). Der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant (Relatives Risiko 1,35; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,70-2,67). Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass eine größere Studie doch noch eine Überlegenheit der Immunglobuline bewiesen hätte. Außerdem waren die Kontakte in der Studie im Durchschnitt 12 Jahre alt, während die meisten Personen in den USA (und Deutschland), die für eine postexpositionelle Prophylaxe infrage käme, Erwachsene sein dürften – zum Beispiel für Reisende in Endemiegebiete, die es versäumt haben, sich rechtzeitig impfen zu lassen.

Trotz dieser Einwände empfiehlt die Impfkommission der CDC als Postexpositionsprophylaxe jetzt die Impfung als erste Wahl – allerdings nur für Personen von 12 Monaten bis 40 Jahren. Für ältere Menschen wird weiter das Immunglobulin vorgezogen. Unklar ist, ob die Entscheidung der CDC damit zusammen hängt, dass es in den USA derzeit nur noch einen einzigen Anbieter der Immunglobuline gibt und die Preise in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind. © rme/aerzteblatt.de 



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» Program for Appropriate Technology in Health
» RKI-Ratgeber Hepatitis A Merkblatt für Ärzte


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