Berlin – Angesichts der Pläne von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) für einen besseren Schutz von Kindern vor häuslicher Gewalt haben die Kommunen erweiterte Befugnisse gefordert.
Die Referatsleiterin für Jugend- und Familienpolitik des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Ursula Krieckl, forderte in der „Frankfurter Rundschau“ vom Donnerstag eine Verbesserung der Datenübermittlung und in begründeten Fällen die Befreiung von der ärztlichen Schweigepflicht. Ärzte sollten die Jugendämter informieren können, wenn sie einen konkreten Verdacht hätten, sagte Krieckl.
Das Statistische Bundesamt hatte am Dienstag mitgeteilt, dass im vergangenen Jahr in Deutschland mehr als 33.000 Kinder und Jugendliche von den Jugendämtern in Obhut genommen werden mussten. Dies ist eine Steigerung von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, gegenüber 2004 sogar von 30 Prozent.
Schröder hatte daraufhin in einem Interview gesetzliche Änderungen zum besseren Schutz von Kindern gefordert. Auch sie sprach sich dafür aus, Kinderärzte von ihrer Schweigepflicht zu entbinden, wenn sie Spuren von Misshandlungen bei einem Kind feststellen.
Krieckl bezeichnete die Zahlen als „dramatisch“. Diese zeigten aber auch, dass bereits getroffene Maßnahmen „greifen und die Jugendämter jetzt noch genauer hinschauen, in die Familien gehen und Kinder vor Vernachlässigung schützen“. Hausbesuche seien aber nur ein Mittel.
Der Bund dürfe den Kommunen Hausbesuche nicht grundsätzlich vorschreiben, „wo man andere Instrumente sinnvoller anwenden könnte“. Krieckl forderte auch einen besseren Datenaustausch: Künftig müsse verhindert werden, dass gefährdete Familien sich durch Arztwechsel, Umzüge oder Schulwechsel den Jugendämtern entziehen könnten, weil ihre Akten nicht weitergeleitet würden. © afp/aerzteblatt.de
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