Heidelberg – Eine dreitägige Behandlung mit Clindamycin oder Azithromycin verhinderte in einer Studie in Science Translational Medicine (2010; 2: 40ra49) nicht nur, dass Ratten an einer Malaria erkrankten. Die Tiere waren auch Monate später gegen eine Infektion gefeit, obwohl sie keine Antibiotika mehr erhielten.
Das Team um Steffen Borrmann vom Universitätsklinikum Heidelberg führte an Mäusen folgenden Versuch durch. Die Tiere wurden durch Injektion von Sporozoiten mit einer Malaria infiziert. Zur gleichen Zeit wurden sie drei Tage lang mit Clindamycin oder Azithromycin behandelt. Wie bei der normalen Infektion wanderten die Sporozoiten zunächst in die Leber. Die Medikamente können dies nicht verhindern.
Sie greifen aber in den weiteren Entwicklungszyklus der Parasiten ein. Ein Befall der roten Blutkörperchen, das nächste Stadium der Erkrankung, wird verhindert. Die Symptome der Malaria, die durch den Befall und den Zerfall der Erythrozyten hervorgerufen werden, blieben aus. Die Tiere erkrankten nicht an einer Malaria.
Sie erkrankten auch 40 Tage später nicht an einer Malaria. Da hatten die Forscher den Tieren erneut Sporozoiten in die Blutbahn gespritzt, aber auf die gleichzeitige Gabe der Antibiotika verzichtet. Borrmann gibt für das Ausbleiben einer Erkrankung folgende Erklärung: Die Antibiotika blockieren die Bildung des Apicoplasts. Dieses Zellorgan benötigen die Parasiten für die weitere Reifung. Die Erreger sind deshalb nicht in der Lage, die Erythrozyten zu befallen.
Die Vermehrung in der Leber wird durch die Antibiotika dagegen nicht verhindert. Dadurch steigt die Antigenlast, bis das Immunsystem eine stabile und dauerhafte Immunität ausbildet. Die Tiere sind dann gegen eine spätere Erkrankung gefeit.
Ob die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, ist natürlich offen. Borrmann räumt ein, dass der menschliche Organismus beim Mückenstich mit weitaus geringeren Erregerkonzentrationen konfrontiert wird als in dem Experiment.
Doch als die Forscher die Experimente unter natürlichen Bedingungen wiederholten, waren immer noch 30 Prozent der Mäuse geschützt. Bei 85 Prozent der trotzdem erkrankten Mäuse verlief die Malaria ohne einen Befall des Gehirns, was prognostisch günstig zu bewerten ist.
Sollten die Antibiotika auch dem menschlichen Immunsystem auf die Sprünge helfen, könnten sich neue Perspektive für die Kontrolle der Malaria ergeben. Die verwendeten Antibiotika sind bezahlbare Medikamente ohne schwerwiegende Nebenwirkungen. Und sie müssen, anders als viele Impfstoffe, nicht injiziert werden. © rme/aerzteblatt.de
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