Atlanta – US-Forscher haben eine neue Applikationsform für die Grippeimpfung entwickelt. Das in Nature Medicine (2010; doi:10.1038/nm.2182) vorgestellte Impfstoffpflaster erzeugte bei Mäusen sogar eine höhere Immunität als die derzeit übliche intramuskuläre Injektion.
Das transdermale Applikationssystem, das Sean Sullivan und Mitarbeiter des Emory Vaccine Center in Atlanta ausgetüftelt haben, hat auf seiner Oberfläche ca. hundert kleine Mikronadeln. Sie dringen etwa 0,65 mm in die Epidermis ein und deponieren den Impfstoff in der Haut.
Der Impfstoff ist in kleine Polymere eingeschlossen, die sich innerhalb weniger Minuten auflösen und ihren Inhalt freisetzen. Er wird sozusagen hautnah den dendritischen Zellen präsentiert, die als eine „Vorhut“ des Immunsystems Antigene aufnehmen und sie an die Lymphozyten weiterleiten.
In den ersten tierexperimentellen Studien hat das neue Applikationssystem, wie es heißt, eine robuste Immunität erzielt. Die Antikörperreaktion soll sogar stärker ausgefallen sein als nach einer intramuskulären Injektion des Impfstoffs.
Die Mäuse waren nach Angaben der Autoren vollständig gegen eine spätere tödliche Dosis von Influenzaviren gefeit. Die neue Applikationsform könnte auch die Logistik der Grippeimpfung verbessern, hofft Sullivan.
Die Impfstoffe könnten sogar mit der Post verschickt und von den Impflingen selbst angewendet werden. Im Fall einer Pandemie könnten auf diese Weise Personalengpässe vermieden werden. Ob sich diese Vorhersagen erfüllen werden, dürfte sich erst nach den klinischen Studien zeigen. Zunächst bleibt abzuwarten, ob ein Impfstoffhersteller die Innovation aufgreift.
© rme/aerzteblatt.de
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