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Medizin · News

20.07.2010
Tinnitus durch Handy?

Wien – Langjährige Nutzer von Mobiltelefonen hatten in einer Fall-Kontroll-Studie in Occupational and Environmental Medicine (2010; doi: 10.1136/oem.2009.048116) ein erhöhtes Risiko auf einen Tinnitus.

Ohrgeräusche werden bei Befragungen von 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung angegeben. Ob ihre Prävalenz in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat, ist jedoch nicht bekannt. Mit dem Gebrauch von Mobiltelefonen wurden sie von Wissenschaftlern bisher nicht in Verbindung gebracht.

Die von den Geräten emittierten Mikrowellen wirken jedoch auf Innenohr und Gleichgewichtsorgan, in denen der Entstehungsort des Tinnitus vermutet wird. Michael Kundi vom Institut für Psychologische Grundlagenforschung an der Universität Wien hat deshalb in einer Fall-Kontroll-Studie 100 Tinnitus-Patienten der gleichen Anzahl von Personen gleichen Alters und Geschlecht ohne Ohrgeräusche gegenüberstellt.

Es zeigte sich, dass Mobilfunknutzer zu 37 Prozent häufiger an einem Tinnitus leiden. Bei Personen, die länger als 10 Minuten am Tag mobil telefonieren, war das Risiko sogar um 71 Prozent erhöht. Für Personen, die bereits seit mehr als 4 Jahre mobiltelefonierten, war das Risiko sogar verdoppelt. Erst bei diesen Personen erreichte die Odds Ratio (1,95; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,00 bis 3,80) das Signifikanzniveau, das einen Zufall ausschließt.

Neben dem Zufall kann aber auch eine Reihe von Verzerrungen ein scheinbar erhöhtes Risiko anzeigen. Am häufigsten ist ein “Recall-Bias” der Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung und einem vermuteten Zusammenhang die eigene Handynutzung schnell überschätzen.

Die Studie ergab zudem eine „statistische Anomalie“: Vielnutzer mit mehr als 4.000 Handy-Telefonaten litten seltener an einem Tinnitus als Personen mit einer geringeren Nutzung. Bei einer schädlichen Wirkung würde man eigentlich das Gegenteil erwarten.

Die Studie kann deshalb den Zusammenhang nicht beweisen, sie dürfte aber Anlass sein, die Handynutzung in künftigen Studien zu den Tinnitus-Ursachen einzubeziehen. © rme/aerzteblatt.de



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