Rockville – Zu den Spätfolgen einer Strahlentherapie im Kindesalter gehört eine erhöhte Rate von Fehl- und Totgeburten, wie aus einer Kohortenstudie im Lancet (2010; 376: 10.1016/S0140-6736(10)60752-0) hervorgeht.
Die Childhood Cancer Survivor Study begleitet seit 1994 eine Gruppe von Patienten, die als Kinder an Krebs erkrankt waren und dank einer Chemo- und/oder Radiotherapie überlebten. Frühere Auswertungen hatten bereits gezeigt, dass die Bestrahlung des Beckens (nicht aber die Chemotherapie) für die Frauen mit einem erhöhten Risiko auf eine Früh- oder Mangelgeburt vorbunden ist.
Die jetzt von John Boice und Lisa Signorello vom International Epidemiology Institute in Rockville/Maryland und der Vanderbilt University in Nashville/Tennessee vorgestellten Ergebnisse sind deshalb keine Überraschung.
Das Ausmaß ist aber beachtlich, vor allem wenn die Bestrahlungen vor der Menarche erfolgten. Bereits verhältnismäßig niedrige Dosierungen von 1 bis 2,49 Gray erhöhten dann das Risiko für Fehlgeburten oder neugeburtliche Todesfälle um nahezu das Fünffache. Strahlendosen oberhalb von 2,5 Gray vor der Menarche steigerten das Risiko einer spätern Fehl- oder Totgeburt sogar um das Zwölffache.
Bei einer Bestrahlung nach der Menarche war das Risiko nicht mehr signifikant erhöht. Die Bestrahlung der Testes bei Männern war dagegen nicht mit einem erhöhten Risiko für Fehlgeburt oder frühem Tod der Babys verknüpft. Hier besteht eine Diskrepanz zu Studien an Beschäftigten der britischen Nuklearindustrie, die einen Anstieg um 24 Prozent pro 100 mSv (etwa 0,1 Gray) nahegelegt hatten.
Die Bestrahlung der Hypophyse (bei Frauen) und der Einsatz von alkylierenden Chemotherapeutika waren dagegen bei beiden Geschlechtern nicht mit einem erhöhten Risiko für Fehlgeburt oder frühem Tod der Babys verknüpft. © rme/aerzteblatt.de
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