London - Jahrelang gehörten Wartelisten zum Alltag für britische Krankenhauspatienten. Inzwischen gibt es nach Angaben britischer Hausärzteverbände auch Wartelisten für primärärztliche Leistungen. Das führt zu Unzufriedenheit bei den Patienten und innerhalb der Hausärzteschaft. Wie aus einer Studie des staatlichen Gesundheitsdienstes (Naional Health Service, NHS) hervor geht, muss jeder zweite Staatspatient mittlerweile 48 Stunden oder länger auf einen Termin bei seinem Hausarzt warten.
Das Londoner Gesundheitsministerium hatte den Patienten hingegen mehrfach versprochen, keinen NHS-Patient „länger als 24 Stunden warten“ zu lassen, um seinen Hausarzt zu sehen. 22 Prozent aller NHS-Patienten sind der Studie zufolge jedoch nicht einmal nicht in der Lage, innerhalb von einer Woche ihren Hausarzt zu konsultieren.
Großbritannien hat ein Primärarztsystem, bei dem der Zugang zu den Fachärzten und zu den Kliniken stets über den Hausarzt läuft. Deshalb sind die Wartelisten in der Primärmedizin gesundheitspolitisch besonders prekär. Der Britische Ärztebund wies in London darauf hin, dass viele Hausarztpraxen personell unterbesetzt seien. Nicht selten müsse ein NHS-Hausarzt 2 000 oder mehr Patienten versorgen.
Der Ärztebund kündigte an, in für den Herbst 2005 anberaumten Gesprächen mit dem Londoner Gesundheitsministerium darauf zu drängen, mehr NHS-Hausärzte einzustellen. Das sei nicht zuletzt deshalb ratsam, weil immer häufiger Wochenend-Vertretungsdienste im NHS von deutschen Kolleginnen und Kollegen übernommen werden müssten. /KT
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