Paris - Wegen des zu langen Einsatzes von Asbest werden in Frankreich in den kommenden 25 Jahren bis zu 100 000 Krebstote befürchtet. Tödliche Krebserkrankungen durch Kontakte mit dem Baustoff führten nach Einschätzung von Wissenschaftlern zu einer „unvermeidbaren Epidemie“, hieß es in dem am 26. Oktober in Paris vorgelegten Bericht einer Enquetekommission des französischen Senats zur Asbestverseuchung. In der Verantwortung steht demnach der französische Staat, dem Versagen gegenüber einer Industrielobby vorgehalten wird. Die Asbestopfer-Vereinigung Andeva erklärte, ein Strafprozess zu Asbest sei nunmehr „unausweichlich“.
Nach dem Bericht wäre das „Drama“ um die Asbestfolgen vermeidbar gewesen, zumal bereits seit Jahrzehnten Erkenntnisse über Gesundheitsschäden durch Asbest vorgelegen hätten. Die öffentlichen Stellen hätten aber ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt. In Frankreich wurde Ende 1996 ein Verbot des Materials beschlossen, das Anfang 1997 in Kraft trat. Nach den Erkenntnissen der Enquetekommission hatte die Asbest-Industrie mit einer „vorsätzlichen Strategie“ versucht, das Verbot des Werkstoffs so lange wie möglich zu verhindern.
Von 1965 bis 1995 starben dem Bericht zufolge in Frankreich 35 000 Menschen an Krebs infolge von Asbest. In den kommenden 20 bis 25 Jahren würden nun weitere 60 000 bis 100 000 Todesfälle erwartet. Zur Begründung verwies die Enquetekommission darauf, dass das Einatmen von Asbestfasern auch nach 30 bis 40 Jahren unter anderem Krebs des Rippen- und Bauchfells auslösen kann. /afp
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