| dpa |
In vielen Notrufzentralen geben die sogenannten Dispatcher den Anrufern Anleitungen zur Ersten Hilfe. Für die beiden Studien, die einmal in Stockholm und zum anderen in Seattle und London durchgeführt wurden, wechselten die Anweisungen von Fall zu Fall.
Jeder zweite Anrufer durfte auf die “Mund-zu-Mund”-Beatmung verzichten. Ihre Notwendigkeit ist in den letzten Jahren mehrfach infrage gestellt worden. Tierexperimentelle Studien ergaben, dass die Unterbrechung der schnellen Brustkompressionen die lebenswichtige Perfusion der Koronarien verschlechtert.
Und die klinische Erfahrung zeigt, dass die wenigsten Menschen die Atemspende richtig beherrschen. Manche genieren sich davor und verzichten dann womöglich ganz auf eine Reanimation.
In der Studie von Leif Svensson vom Swedish Emergency Medical Dispatch Center in Stockholm, einer der größten Notrufzentralen in Europa, ergab, dass 8,7 Prozent der Patienten nach 30 Tagen noch am Leben waren, wenn die Dispatcher die Laien zur alleinigen Brustkompressionen aufgefordert hatten.
In der Kontrollgruppe, in der eine Standard-Reanimation mit Atemspende eingefordert wurde, waren es nur 7,0 Prozent, also 1,7 Prozentpunkte weniger. Der Unterschied war allerdings statistisch nicht signifikant (NEJM 2010; 363: 434-442).
In der Studie von Thomas Rea von der Universität Seattle im US-Staat Washington, an der sich auch der London Ambulance Service der britischen Hauptstadt beteiligt hatte, verließen nach alleiniger Brustkompressionen 12,5 Prozent und bei der Standard-Reanimation 11,0 Prozent der Patienten später lebend die Klinik.
Auch der Anteil ohne schwere neurologische Schäden (Cerebral Performance Category 1 oder 2) war mit 14,4 Prozent gegenüber 11,5 Prozent tendenziell günstiger. Noch größer waren die Unterschiede bei Patienten mit einem Herzstillstand kardialer Ursache (15,5 vs. 12,3 Prozent überlebten) und solchen, bei denen eine Defibrillation möglich war (31,9 vs. 25,7 Prozent überlebten). Aber auch in diesen beiden prädefinierten Untergruppen wurde das Signifikanzniveau verfehlt. Ein Zufall kann also nicht ausgeschlossen werden (NEJM 2010; 363: 423-433).
Dennoch sprechen die Ergebnisse klar für die “hands-only”-Empfehlung an Laienhelfer, wie sie inzwischen von der American Heart Association ausgegeben wird (Circulation 2008; 117: 2162-2167). Dies gilt allerdings nicht für Herzstillstände nach Trauma, Atemwegsobstruktion, Ertrinken (oder anderen asphyktischen Ereignissen) sowie bei kleinen Kindern.
Hier kann eine Atemspende lebensrettend sein, wie neben den Autoren auch Myron Weisfeldt von der Johns Hopkins Universität im Editorial betont (NEJM 2010; 363: 481-483). Die Atemspende wird deshalb auch in Zukunft Bestandteil der Erste-Hilfe-Lehrgänge bleiben. © rme/aerzteblatt.de
Weitere News
|
Archiv
» Mai 2010
» Mai 2009
» Mai 2008
» Mai 2007
» Mai 2006
|